Reportagefotografie (aus Wikipedia)

Die Reportagefotografie, der Fotojournalismus oder die Bildberichterstattung verwendet die Ausdrucksformen und Mittel der Fotografie, um Reportagen (vom Lateinischen reportare, siehe Reporter), das heißt Berichterstattungen über Hintergründe in Politik, Kultur, und anderen Bereichen von gesellschaftlichem Belang (z. B. Gerichtsverhandlungen, Unglücksfälle oder Verbrechen), zu illustrieren oder ausschließlich in bildhafter Weise darzustellen. Berichterstatter ist der Foto-Reporter (in Deutschland war jahrzehntelang der Begriff Bildjournalist üblich).

Diese Art der Fotografie ist gekennzeichnet durch:

  • Zeitlichen Bezug zur Abfolge eines Ereignisses
  • das Bemühen um Authentizität
  • Erzählcharakter zusammen mit anderen Methoden der Reportage

Geschichte

Mathew B. Brady dokumentierte mit seinem Kamerateam, zu dem unter anderem Alexander Gardner, T. H. O’Sullivan und G. N. Barnard gehörten, den amerikanischen Bürgerkrieg 1861-1865 auf rund 7.000 Nassplatten-Negativen, von denen über tausend digitalisiert wurden und über die Website der Library of Congress abrufbar sind. Davon wurden allerdings zeitgleich auch nur wenige einem größeren Publikum bekannt, da Bildvorlagen für den Druck zunächst aufwändig und weitestgehend manuell in Strichzeichnungen umgesetzt werden mussten (vgl. Holzstich; Kupferstich).

Die moderne Bildberichterstattung und Pressefotografie entwickelte sich erst ab ca. 1880, als die ersten Fotos als Illustrationen in Zeitungen erschienen: Stephen H. Horgan veröffentlichte im „New Yorker Daily Graphic“ ein gerastertes Halbtonfoto. 1883 erschien das erste Foto in einer deutschen Publikation: Georg Meisenbach veröffentlichte in der Leipziger „Illustrirten Zeitung“ eine gerasterte Fotografie (siehe Autotypie). – Die Entwicklung einsatzbereiter Verfahren zur Bildtelegrafie dauerte bis zum ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts (vgl. Arthur Korn. Im November 1907 begannen regelmäßige Übertragungen zwischen Paris, Berlin und London. Am 17. März 1908 wurde das erste Fahndungsfoto in zwölf Minuten von Paris nach London übertragen und im „Daily Mirror“ abgedruckt. Durch dessen Veröffentlichung konnte ein flüchtiger Juwelenräuber gefasst werden. Der „Daily Mirror” hatte 1904 als erste Zeitung zur Wiedergabe von fotografischen Bildinformationen vollständig auf den Autotypiedruck umgestellt.

Der Pressefotograf Erich Salomon, eigentlich Doktor der Jurisprudenz, der erst 1926 im Alter von 40 Jahren überhaupt mit der Fotografie in Kontakt kam, erregte nicht nur durch seine Bildreportagen und die meist mit der neuartigen, für damalige Verhältnisse äußerst lichtstarken und gleichzeitig relativ kleinen Ermanox-Kamera teilweise heimlich (oder genauer: „investigativ“) entstandenen Aufnahmen Aufsehen, die er 1931 in seinem Bildband Berühmte Zeitgenossen in unbewachten Augenblicken veröffentlichte – der Meister der candid camera (ein von der Londoner Zeitschrift „Graphic“ 1929 geprägter Begriff für Salomons Arbeitsweise) erfand auch die Berufsbezeichnung Bildjournalist als solche.

An Wirkung und stilprägendem Einfluss kommen dem „König der Indiskreten“, wie ihn der französische Außenminister Aristide Briand einmal spontan nannte (und der dabei auf Salomons berühmtestem Foto abgebildet ist), höchstens Fotografen wie Henri Cartier-Bresson gleich, der 1947 Mitbegründer der Fotoagentur Magnum Photos war und dessen Auffassung des fotografischen Metiers der Salomons wohl am nächsten kommt. Die Technik der „versteckten“ oder „unbemerkten“ Kamera wurde später allerdings von den Paparazzi auch systematisch missbraucht und deshalb vielfach in Verruf gebracht.

Die Einführung der Kleinbildkameras, allen voran der Leica (ab 1925), hatte weitreichende Auswirkungen auf den Fotojournalismus und änderte in mannigfacher Hinsicht auch die Sicht der Massen auf die Welt. – Das Berliner Boulevardblatt „Tempo” veröffentlichte von 1928-33 in täglich drei Ausgaben „Bilder vom Tage”. Zahlreiche Fotoagenturen wurden in den Zwanzigern gegründet; eine der erfolgreichsten war – vor allem durch ihre Geschwindigkeit, ihren großen Mitarbeiterstab und die Vielfalt ihrer Sujets – die Schweizer Pressebildagentur Keystone (seit 1892, in Deutschland seit 1924). Durch sie übermittelte Bilder der Berliner Maifeiern 1929 zum Beispiel, aufgenommen um 10.30 Uhr, erschienen sowohl in London als auch in New York noch am selben Abend in dort ansässigen Zeitungen.

Die Fotografie-Theoretikerin Gisèle Freund bemerkte dazu: „Die Einführung des Photos in der Presse ist ein Phänomen von außerordentlicher Bedeutung. Das Bild verändert die Sehweise der Massen […] Mit der Photographie öffnet sich ein Fenster zur Welt. Die Gesichter von Personen des öffentlichen Lebens, die Ereignisse, die sich in seinem Land abspielen und auch diejenigen, die außerhalb der Grenzen stattfinden, werden ihm vertraut. […] Die Photographie leitet das Zeitalter der visuellen Massenmedien ein, als das Einzelportrait durch das kollektive Massenportrait verdrängt wird. Gleichzeitig wird die Photographie zu einem mächtigen Instrument der Propaganda und der Manipulation. Die Bilderwelt wird entsprechend den Interessen jener gestaltet, die die Presse besitzen: die Industrie, das Finanzkapital, die Regierungen.” – Insbesondere „brachten es die Nationalsozialisten auch auf dem Gebiet der politischen Instrumentalisierung der Bilder zu einer traurigen Perfektion.” (Ralf Hecht, a.a.O.; vgl. Leni Riefenstahl)

Erst 1923 konnte ein Bild (des Papstes Pius XI.) von Rom nach New York über den Atlantik geschickt werden. 1861 war die erste interkontinentale Telegraphenverbindung zwischen Nordamerika und Europa hergestellt worden (siehe auch: Seekabel). Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist der Bildbericht ein integraler Bestandteil der Zeitungen und Magazine (Picture Post, Paris Match, Life, Sports Illustrated, The Daily Mirror (London), The Daily Graphic (New York)) und sprach so große Lesergemeinden der 30er bis 50er Jahre an.

In den USA ergaben die sozialdokumentarischen Arbeiten der Farm Security Administration 1935–1942 und ihrer Fotografischen Sektion geleitet von Roy Stryker ein erhebliches Archiv des Lebens jener Zeit.

1947 wurde die Agentur Magnum Photos gegründet, deren Mitglieder bis heute eine herausragende Position einnehmen.

Ethische Überlegungen

Am Beginn der geschichtlichen Entwicklung der Fotografie war diese von der Überlegung getragen, ein möglichst realistisches Abbild der „wahren“ Umwelt zu erstellen. Dies ist schon allein deshalb nicht möglich, weil die Fotografie den dreidimensionalen Raum auf eine Ebene mit beschränktem Ausschnitt reduziert. Dies kann die Bildaussage des Motivs unter Umständen bis zur Karikatur verzerren. Dennoch werden fotografischen Bildern hoher Wahrheitsgehalt und große Glaubwürdigkeit zugedacht.

Der Reportagefotograf hat daher eine hohe ethische Verantwortung, wenn er sich nicht als ein Instrument der Propaganda verwenden lassen möchte.

Ebenso ist die Grenze zur Verletzung der Intimsphäre und einer reinen Befriedigung der Sensationsgier (beispielsweise durch die inzwischen im Metier der Fotografen verbreiteten Paparazzi) schnell überschritten.

Technik

Die Entwicklung transportabler, kleiner Kameras (z.B. Leica) und empfindlicher Filme ermöglichte seit Beginn des 20. Jahrhunderts die Aufnahme am Ort des Geschehens sowie die Erfassung bewegter Vorgänge. Dies revolutionierte auch die Berichterstattung von den Kriegen jener Zeit: Die Fotografie konnte das Grauen der tatsächlichen Kampfhandlungen und des alltäglichen Sterbens im Feld transportieren.

Heute hat die Digitalfotografie eine Vormachtstellung erobert und ermöglicht eine weitere Beschleunigung der Berichterstattung. Unter der im Vergleich zum Film noch leichteren Manipulierbarkeit dieser Fotos hat allerdings die Glaubwürdigkeit weiter gelitten.

Organisationen

Mit Freelens existiert eine eigene Journalistenorganisation für Fotojournalisten. Als Bildjournalisten Tätige haben außerdem eigene Fachgruppen in den großen Journalistenverbänden dju/verdi und djv.

Ausbildung

Die Bezeichnung Fotojournalist ist nicht geschützt. Es gibt keine geregelte Ausbildung. Neben einer Lehre, die meist keinen Qualifikationsschwerpunkt auf Bildjournalismus setzt, ist ein Fotografie-Studium möglich.

Im Rahmen der Journalistenaus- und Weiterbildung bieten Journalistenschulen und Journalistenakademien Kurzzeitkurse zum Bildjournalismus an.

Seit Oktober 2010 gibt es an der Fachhochschule Hannover den Studiengang Bildjournalismus und Dokumentarfotografie unter Leitung von Rolf Nobel.

Die Hochschule Magdeburg bietet seit dem Wintersemester 2008/2009 den Studiengang "Bildjournalismus" an.

Weblinks

 

Aus Weblinks : Fachliteratur zum Thema (= letzter Punkt)
Die Gliederung zeigt den Wesenskern der Fotoreportage

Vorwort

1. Fotojournalist oder Pressefotograf?
1.1 Zielgruppe und Medium kennen
1.2 Auf gute Zusammenarbeit
1.3 Bild-Funktionen
1.4 Gestaltung beginnt mit Vorbereitung
1.5 Marschplan
1.6 Spot News

2. Das Werkzeug „Kamera“ verstehen
2.1 Die Kamera lügt doch nicht – oder?
2.2 Alles ist relativ
2.3 Fotografisch sehen
2.4 Einsatz von Stilmitteln

3. Technik
3.1 Ausrüstung
3.2 Belichtungszeit
3.3 Blende
3.4 Belichtungssteuerung
3.5 Kameraprogramme
3.6 Empfindlichkeit
3.7 Brennweite
3.8 Fokussierung
3.9 Blitzgerät
3.10 Weißabgleich

4. Komposition
4.1 Ausschnitt
4.2 Drei gute Gründe
4.3 Kompositionstheorien
4.4 Linien, Punkte, Flächen
4.5 Geometrische Muster
4.6 Die gesunde Schräglage
4.7 Unschärfe
4.8 Symbolik
4.9 Farbe
4.10 Lichtführung
4.11 Die Wahl des Augenblickes

5. Menschen fotografieren
5.1 Situation
5.2 Gesetz der großen Zahlen
5.3 Porträtfotos
5.4 Perspektive
5.5 Gruppenbilder

6. Spezialthemen
6.1 Natur
6.2 Panoramen
6.3 Serien
6.4 Luftbilder
6.5 Sport
6.6 Schmuckbilder

7. Nach dem Schuss
7.1 Digitale Grundbegriffe
7.2 Bildbearbeitung
7.3 Montagen-Ethik
7.4 Datenbank
7.5 Bildauswahl für Redakteure
7.6 Bildunterschrift

8. Alles, was Recht ist
8.1 Vor der Aufnahme: das Recht am eigenen Bild
8.2 Nach der Aufnahme: das Recht am fertigen Bild
8.3 Honorare
8.4 Agenturen
8.5 Wettbewerbe
8.6 Mitgliedschaften

http://www.digitalkamera.de/Fototipp/Eine_Geschichte_erzaehlen__Die_Fotoreportage/4109.aspx

Eine Geschichte erzählen – Die Fotoreportage

Der Autor Martin Rohrmann hat uns am 8.1.2012 für das Zitat seines oben verlinkten Beitrags
"226,10 Euro für die widerrechtliche Nutzung"
in Rechnung gestellt. Wir hatten nur zitiert!
Er hat uns aber nicht aufgefordert, dass wir den Beitrag aus der Website entfernen. Warum wohl? Wir tun es dennoch.

Was lernen wir daraus: Nur "Eigenbau verwenden!!!"

Hier stand bis zum 10.1.2012 seine gute Anleitung zum Thema "Fotoreportage".

*****

Zusammenfassung von Edith Gräml für den
Kurs
Fotoreportage im Salesturm vom Montag 25.07.11 – Freitag 29.07.11,
durchgeführt von Robert Roseeu

*****

Bis soeben habe ich nicht gewusst, was dieses Thema „Fotoreportage“ eigentlich beinhaltet – erst als ich im Internet recherchiert habe, wurde mir dessen Vielfältigkeit bewusst, die genaue Arbeitsweise, die eine gute Fotoreportage ausmacht, die Faszination, die hinter einem Thema steckt, das man fotografieren möchte und auch herzeigen will (Familie – Ausflüge – Urlaube – etc.).

Lieber Robert – ein herzliches Dankeschön an dich, dass du dieses Thema doch noch anbietest.

Ich freue mich jedenfalls – deine Edith.